
- Winzer Heribert Erbes
Nachhaltigkeit in der Weinwirtschaft
Für Dr. Arnold Schwab von der Bayrischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim ist Nachhaltigkeit beim Wein: „Ökologische Tragfähigkeit, Ökonomische Existenzfähigkeit, soziale Verantwortung und Schonung der Ressourcen“ (Energie, Wasser, Abwasser, Emissionen, Abfälle). Nachhaltigkeit ist deshalb weit mehr als rein ökologisches Wirtschaften. Sie ist kein vorübergehender Modetrend, sondern wird immer mehr zur Grundlage für zukünftige Winzergenerationen.
Unser Weingut befolgt bereits in vielen Einzelschritten wesentliche Kriterien einer nachhaltigen Weinerzeugung und ist ständig dabei, „weitere Schritte zu gehen“.
Was setzt Nachhaltigkeit voraus?
Es geht um eine gesunde Mischung von effizientem Wirtschaften einerseits und individuellen Maßnahmen andererseits. Flurbereinigungen verbessern entscheidend die Bewirtschaftungsmöglichkeiten. Sie müssen gleichwohl mit Augenmaß und unter verstärkt ökologischen Gesichtspunkten von statten gehen. Durch den Einsatz von Pheromonen (Sexualduftstoffen) wird die Vermehrung von Faltern unterbunden und somit auch Wurmaktivität verhindert. Diese biologischen Maßnahmen machen den Einsatz von Insektiziden überflüssig. Man muss nicht all das tun, was technisch möglich ist. Wir sind auch für das verantwortlich, was wir nicht tun. Die Natur braucht Freiräume zur eigenen Entfaltung. Der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit ist dabei besonders wichtig. Der Mensch kann auch als dienender (nicht beherrschender) Faktor viel erreichen. Entscheidend bei allem Tun ist das Hinschauen, das Verstehen und die maßvolle Dosis.

- Rückführung von Weinhefe erhöht die Bodenfruchtbarkeit.
Wie funktioniert Nachhaltigkeit im "Kleinen"?
Nachhaltigkeit braucht Vielfalt, vom Rebstock bis zur Flasche. Die individuelle Behandlung der Rebe verlängert ihre Lebensdauer. Die Rückführung (oder Verbleib) von organischen Stoffen in den Weinberg (Rebholz, Laub, Trester, Weinhefe) erhöht die Bodenfruchtbarkeit und mündet in einen gesamtbiologischen Kreislauf.
Weine gilt es so schonend wie irgend möglich zu bereiten. Jede Zusatzbehandlung vermindert Natürlichkeit und Qualität.
Auch bei Weinfüllung, Ausstattung und Vertrieb kann Nachhaltigkeit aktiv praktiziert werden, durch Verwendung von Naturkorken als Flaschenverschluss (mit der nachweislich besten Umweltbilanz), Wiederverwendung von Flaschen und Kartonagen, Anwendung umweltgerechter (gut abbaubarer) Ausstattungsmaterialien, Optimierung der logistischen Abläufe.
Was bringt Nachhaltigkeit „für das Ganze“?
Aufgrund stetig wachsender Weltbevölkerung in Verbindung mit fortschreitender Wetterextreme (Klimawandel) verschärft sich die Ressourcenknappheit. Jeder Einzelne ist deshalb verstärkt gefordert, Verantwortung zu übernehmen und (s)einen Beitrag für das Ganze zu leisten. Immer mehr Handelspartner fordern deshalb Nachhaltigkeitsnachweise von ihren Lieferanten, auch als Antwort auf jüngste Ereignisse in der Lebensmittelindustrie und als positives Kommunikationsinstrument gegenüber dem immer sensibler werdenden Verbraucher.
Neben den globalen Ressourcen gilt es auch individuelle Befindlichkeiten in der Balance zu halten. Nur wer selbst fit, ausgeglichen und zufrieden ist, kann dauerhaft gute Leistungen erbringen, für sich selbst, für seine Familie, für den Betrieb und für die Gesellschaft. Jede Art von Gemeinschaft profitiert von einem fairen Miteinander.
Nachhaltigkeit braucht profitable Säulen. Nur so entsteht Qualität nach allen Richtungen. Nur so kann Nachhaltigkeit zum Markenzeichen einer ganzen Region werden, Menschen unter einander und mit der Natur verbinden.
Heribert Erbes







