
„Der Weinjahrgang 2011 reiht sich in die Phalanx der großen 11er Jahrgänge von 1811 und 1911 ein“, so zitierte mich die Allgemeine Zeitung Mainz am 23. September 2011, wo ich darüber hinaus als „Jahrgangskenner“ tituliert und zu weiteren Besonderheiten des Jahrgangs 2011 befragt wurde.
Einem kalten Winter folgte ein ausgesprochen trockenes und auch warmes Frühjahr mit großem Vegetationsvorsprung und Austrieb im zeitigen April. So konnte es geschehen, dass in der Nacht vom 3. auf den 4. Mai bei 5 – 6 Grad unter Null ca. 10 % der deutschen Weinberge erfroren sind. Auch in Rheinhessen waren davon rund 3.000 ha Rebland betroffen, vor allem in flachen und tiefen Lagen, wo die Kälte nicht abfließen konnte. Unser Betrieb kam vergleichsweise günstig davon, weil wir einerseits relativ viele Hanglagen bewirtschaften und andererseits einen hohen Anteil Frost resistenter Rebsorten (Burgunder und Riesling) im Anbau haben. Glücklicherweise blieb Rheinhessen nach dem Frostereignis von weiteren extremen Wetterkapriolen, wie Hagel, Sturm und Starkregen, weitgehend verschont.
Die sehr frühe Blüte war Voraussetzung dafür, dass selbst die eher etwas zu kühlen Sommermonate mit überdurchschnittlichen Niederschlägen eine frühe Reife und Ernte nicht verhindern konnten. Gleichwohl war wegen der häufigen Nässe eine sorgfältige Bekämpfung pilzlicher Schaderreger (echter und falscher Mehltau) in diesem Jahr besonders wichtig.
Erstmals haben wir bereits Ende August mit der Lese begonnen. Bedingt durch das dauerhaft schöne Herbstwetter im September und Oktober hatten wir sehr entspannte Erntebedingungen mit entsprechenden Reife- und Qualitätszunahmen. So konnten wir in drei verschiedenen Monaten (August, September und Oktober) über fünf Wochen hinweg zufrieden stellende Erntemengen und schöne Qualitäten aus gesundem Lesegut einlagern.
Die weißen „Tropfen“ überzeugen durch ein harmonisches Säurespiel und erfrischende fruchtige Noten, während die roten „Gewächse“ gut durchgefärbt sind und bereits viel Struktur aufweisen. Die ersten Kostproben haben wir bereits Ende Oktober abgefüllt und damit sehr früh die Nachfrage nach Weinen des neuen Jahrgangs befriedigt. Gleichwohl muss festgehalten werden, dass sich auch die Weine des Jahrgangs 2010, vor allem Dank ihrer hohen Extraktwerte, sehr gut entwickelt haben und ihr großes Lagerpotential bereits heute unter Beweis stellen. Da auch die vorherigen Jahrgänge noch sehr vital sind, können wir Ihnen insgesamt ein sehr attraktives Angebot an „kreativen“ Erzeugnissen unterbreiten.
Heribert Erbes, im November 2011




